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Wunsch-Baum

Projektbeschreibung Das Paradies...” – kunst in kontakt / 2009 / Hannover

Beim Wort Paradies denkt man an den Garten Eden als umgrenzten Raum, an dem der Mensch (Adam und Eva) in seinem (unschuldigen) Urzustand lebte und den er nach dem Sündenfall verlassen musste. Oder man denkt an das Paradies, als etwas in das man nach dem Tod eingeht, als himmlischen Ort der Gerechtigkeit und des Friedens frei von Krankheit und Mühsal oder als Ort der Wonne und Verheißung. Auch wenn im Christentum die Vorstellung des irdischen Paradieses als tatsächlicher Ort existierte, den man in unerforschten Weltregionen wähnte, so bleibt die Vorstellung vom Paradies doch eine in vielen Kulturen verbreitete Utopie, in der sich die Wünsche und Sehnsüchte der Menschen frei von Beschränkungen und Sorgen des Lebens spiegeln. Das Paradies ist eine Platzierungen ohne wirklichen Ort und wie jede Utopie ein dem Wesen nach unwirklicher Raum.

In AISTHESIS bezeichnet Foucault den Garten als eine der ältesten Heteropien der Welt mit widersprüchlichen Platzierungen, also als anderen Raum, in dem als Gegenplatzierung und “...tatsächlich realisierter Utopie, wirkliche Plätze gleichzeitig repräsentiert, bestritten und gewendet werden...”. 1

Der Wunschbaum ein Entwurf von Lutz Wiedemann

Der Baum besteht aus einem Metallrohr, das an der Unterseite mit Beton im Boden verankert und an der Oberseite mit einem Metallring versehen ist. Am Boden befinden sich Heringe, die aus dem Campingbereich bekannt sind, kreisförmig um das Metallrohr angeordnet. Ein Seil wird vom Hering am Boden zu dem Metallring an der Oberseite des Metallrohres geführt, dort mit einer Schlaufe befestigt und wieder nach unten zu dem folgenden Hering am Boden geführt bis der Kreis sich schließt (Symbolik). Vor Ort wird ein Bereich vorbereitet an dem farbige Tücher, Wäscheklammern und Stifte zu finden sind. Die Besucher sind aufgefordert, Wünsche auf die Tücher zu schreiben und diese an dem Seil des Wunschbaumes zu befestigen. Der Wunsch-Baum
ist nach den Himmelrichtungen ausgerichtet. Zu jeder Himmelsrichtung wird vor dem Hering eine Schale vergraben, die mit Wasser gefüllt ist (Spiegelung als Sinnbild einer Utopie)

Der Besucher trennt sich symbolisch von seinem Wunsch und überlässt diesem dem Wind, der den Wunsch in die Welt trägt. Das heißt, für einige Zeit kann der Besucher sich von seinem Wunsch trennen und so dem Ideal paradiesischer Wunschlosigkeit näher kommen.

Die Schnittflächen an der dreieckigen Sichtfläche des Tetraeders werden in Gold gefasst. An dieser reflektierende Fläche nun spiegeln sich Betrachter und Umgebung und bilden einen unwirklichen Raum, der sich virtuell hinter der Oberfläche auftut und in dem der Betrachter sich dort erblickt, wo er abwesend ist: in der Utopie des Spiegels und in der Utopie eines Parks.

Budget: 2.000 EURO

Alle Rechte an diesem Entwurf verbleiben bei Lutz Wiedemann eine auch teilweise Verwertung ohne die ausdrückliche, schriftliche Einwilligung ist untersagt.

1 MICHEL FOUCAULT - Andere Räume - in: Barck, Karlheinz u.a. (Hg.), Aisthesis. Wahrnehmung heute oder Perspektiven einer anderen Ästhetik, Leipzig 1992, S. 34 - 46

Heterotopia. Foucaults Andere Räume